Was uns Inka-Knoten über Informationen erzählen...
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Ein unsägliches Problem, mit dem man in der sozialwissen- schaftlichen Forschung immer wieder konfrontiert wird, ist eine unreflektierte Übertragung eines lebensweltlichen Informations- verständnisses auf den Bereich der Sozialwissenschaft: Demnach haben wir Informationen vor uns, speichern Informationen in unserem Computer ab usw. - ganz so,
als wären Informationen "Dinge", die einfach so in unserer Umwelt existieren, wie Autos, Kaffee...
Diese Vorstellung ist ähnlich naiv wie die Annahmen, die Erde sei eine Scheibe... oder die Sonne kreise um die Erde... Denn auch diese Annahmen drängen sich dem unwissenden Beobachter aufgrund seiner lebensweltlichen Erfahrungen und Beobachtungen auf:
- Schließlich scheint es doch so, als wäre die Erde flach wie eine Scheibe; wenn man außerdem nicht über den Begriff der Gravitation verfügt, wäre im Übrigen alles andere auch unsinnig - denn wäre die Erde rund, dann müssten doch alle auf der anderen Seite der Welt "runterfallen"...
- Es scheint auch so, als würde die Sonne am Morgen im Osten aufgehen und am Abend im Westen untergehen - und damit Tag für Tag die Erde umkreisen...
Ein solcher Vergleich zwischen einer unreflektierten mittelalter- lichen Vorstellung der Erde als einer Scheibe einerseits, und der unreflektierten Vorstellung von Informationen als Dingen außerhalb des Betrachters andererseits, scheint auf den ersten Blick doch etwas extrem. Ist er aber nicht, wenn man sich mit der Materie etwas näher befasst. Um so brisanter, dass wir selbst in der Sozialwissenschaft immer noch sehr häufig auf ein solches Informationsverständnis stoßen...
Viel näher dran an einem sinnvollen Informationsverständnis ist da wohl von Förster, wenn er sagt: "Die Umwelt enthält keine Information: die Umwelt ist wie sie ist." (zitiert aus Capurro). Das heißt: Die Umwelt enthält für uns Dinge, die wir wahrnehmen können (Dinge, die wir von anderen Dingen unterscheiden können, also "Differenzen"), ob diese Dinge für uns eine Information darstellen (und falls ja: was für Informationen diese Dinge für uns darstellen) hängt aber letztlich von unserem Wissen ab.
Dass dem so ist, wird einem beispielsweise dann in Erinnerung gerufen, wenn man sich mit "Zeichensystemen" auseinander setzt, bei denen sich keine Verbindung mehr zu jenen Zeichen- systemen herstellen lässt, die wir auf der Grundlage unseres heutigen Wissens verwenden. Ein solcher Fall stellen die Inka-Knoten dar, über die beispielsweise der Spiegel jüngst berichtet hat: Da es im Falle der Inka-Knoten (... zumindest bis heute...) keinen dem "Stein von Rosette" vergleichbaren Referenzpunkt gibt, der es uns ermöglichten würde, auf der Grundlage unseres heutigen Wissens (also auf der Grundlage von Zeichensystemen, die wir kennen und verstehen) diese Textilsprache zu (re-)konstruieren, stellen diese Inka-Knoten für uns heute eben keine Informationen mehr dar - und zwar ungeachtet dessen, dass diese Knoten noch bis vor einigen hundert Jahren für Menschen in Südamerika durchaus Informationen enthielten!
Damit wird deutlich, dass alleine die Struktur - also v.a. die so genannte Syntax-Ebene - noch nicht konstitutiv für "Information" als solche ist. Dies ist ein Irrtum, dem ein Betrachter bei mangelnder Reflektion dann sehr leicht unterliegen kann, wenn das vorhandene Wissen eines Betrachters dazu ausreicht, um ein Zeichensystem in Kombination mit einer Syntax als Information (re-)konstruieren zu können...
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Schön geschrieben! Recht hast du... Da sieht man, dass man mitt ein bisschen Rhetorik und... » weiter
Ob in der Blogsphäre mit zu viel Selbstreferenz diskutiert wird, ist eine interessante Frage. Zum... » weiter
Schoen umgekehrt :) Und nun muss ich aufpassen, dass ich nicht in dieselbe Falle tappe, in der ich... » weiter
Kurzer Nachtrag: Im Weblog "Spiegelkritik.de" findet sich auch ein Artikel zu dieser... » weiter


