wissen-schaft::Blog


Samstag, 20.05.06

Die lose-lose-Strategie der Musikindustrie


Die Sache ist jetzt schon ein paar Wochen her, scheint mir aber dennoch eine Erwähnung wert...

In Frankreich gab es ein erstes Gerichtsurteil im Fall der Sontxt- Seitenbetreiber, wie gulli.com vor längerem berichtet hat. Das Urteil lautete auf 6 Monate Haft auf Bewährung sowie 20 000.- Euro Geldstrafe!!

Strafe wofür??

Man muss sich das mal vorstellen: 6 Monate Haft auf Bewährung sowie 20 000.- Euro Geldstrafe! Und das nicht etwa dafür, dass Songtexte unberechtigter Weise illegal und für viel Geld verhökert wurden, denn die Texte sind auf den Internet- seiten, die zumeist von Fans betrieben werden, umsonst erhältlich. Auch nicht dafür, dass den Rechtverwertern durch diese kostenlose Angebot Geld entgangen wäre, denn auch für die Musikindustrie waren Songtexte - bisher zumindest - kostenlose Beigaben zum eigentlichen Produkt, dem Song. Naive Zeitgenossen, wie ich einer bin, sind bisher sogar eher vom Gegenteil ausgegangen: Dass nämlich ein toller Songtext durchaus zum Kauf des Liedes animieren kann - und daher solche Seitenbetreiber im Grunde kostenlose Werbung für Musikindustrie machen...

Es ginge auch anders

Als Dank für das Engagement treuer Fans und die daraus resultierende Werbung startete die Musikindustrie nun vielmehr - wieder einmal, wie man leider sagen muss - einen regelrechten Feldzug gegen Musikfans.

Dabei ginge es mit ein wenig gesundem Menschenverstand durchaus auch anders, wie beispielsweise Amazon vormacht. Denn weder Amazon noch die betreffenden Buchverlage hetzen den treuesten und engagiertesten ihrer Fans die "modernen Freibeuter" auf den Hals, nur weil diese Fans Internetseiten zu ihren Lieblingsbüchern oder ihrem Lieblingsgenre unterhalten.

Fans verfügen über ein äußerst wertvolles Gut

Würde Amazon dies tun, wäre dies dumm und wenig geschäftstüchtig, denn diese Fans verfügen über ein äußerst kostbares Gut, an dem Amazon und die Buchverlage zurecht gerne partizipieren möchten: Authentizität und damit Glaubwürdigkeit in der Fangemeinde. Daher hetzen sie ihren Fans nicht nur nicht die modernen Freibeuter auf den Hals, wie die Musikindustrie, sondern sie bieten ihnen sogar eine Möglichkeit der Zusammenarbeit an, indem sich Fans zur Finanzierung ihrer Seite etwas dazuverdienen können, wenn sie an den passenden Stellen auf eine Bestellmöglichkeit des betreffenden Buches bei Amazon verlinken. Eine solche Situation, von der alle Beteiligten profitieren, nennt man auch eine "win-win-Situation". Dahingegen arbeitet die Musikindustrie emsig auf eine "lose -lose-Situation" hin, was nicht nur die betroffenen Fans empört, sondern auch manchem Unbeteiligten ziemlich beschränkt um nicht zu sagen schwachsinnig vorkommt...

Links


0 Kommentare




 

Autor


Die letzten Kommentare


19.12.09 19:51 Uhr - Cletis_Tout

Schön geschrieben! Recht hast du... Da sieht man, dass man mitt ein bisschen Rhetorik und... » weiter


26.01.08 20:00 Uhr - Eissler

Ob in der Blogsphäre mit zu viel Selbstreferenz diskutiert wird, ist eine interessante Frage. Zum... » weiter


26.01.08 19:56 Uhr - Korrupt

Schoen umgekehrt :) Und nun muss ich aufpassen, dass ich nicht in dieselbe Falle tappe, in der ich... » weiter


24.01.08 02:14 Uhr - Eissler

Kurzer Nachtrag: Im Weblog "Spiegelkritik.de" findet sich auch ein Artikel zu dieser... » weiter


24.01.08 02:10 Uhr - Eissler

Kurzer Nachtrag zu dem Artikel: Im Weblog "Spiegelkritik.de" findet sich auch ein Artikel... » weiter


 | Kontakt | Impressum

Login



» Passwort/PLAK vergessen?
(via partykel)

» Jetzt registrieren (via partykel)