Ein wichtiges Charakteristikum des theoretischen Ansatzes, der hier auf wissen-schaft.org entwickelt wird, ist die kritische Auseinandersetzung mit der "Institution Eigentum" aus liberaler Perspektive (dies mag jene überraschen, deren Weltbild noch dem späten Industriezeitalter entstammt - für die daher "kritische" und "liberale" Ansätze unvereinbarliche Gegensätze darstellen). Diese kritische Auseinandersetzung findet im wesentlichen entlang zweier komplementärer Fragestellungen statt:
Bei der ersten Fragestellung geht es darum, ob die eigentumsrechtliche Gleichbehandlung unterschiedlicher Entitäten nicht auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen müsste.
Bei der zweiten Fragestellung wird umgekehrt gefragt, ob die unterschiedliche eigentumsrechtliche Behandlung gleicher Entitäten nicht auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen müsste.
[I] Vergleich verschiedener elementarer ökonomischer Ressourcen
Ausgangspunkt ist hier die Feststellung, dass spätestens seit dem Scheitern des realexistierenden Sozialismus die Notwendigkeit eines möglichst effektiven Schutzes von Eigentum zu einem weithin akzeptierten ökonomischen Dogma geworden ist. Unter dem Eindruck neuer technischer Entwicklungen im Bereich IKT drängt sich jedoch zunehmend die Frage auf, ob die liberalen Argumentationen zur Rechtfertigung der Institution Eigentum tatsächlich universelle Gültigkeit haben, wie immer wieder Glauben gemacht wird. Denn wenn dem so wäre, müssten diese (v.a. ökonomischen) Argumentationen auch dann jeweils zum selben Ergebnis führen, wenn sie auf Ressourcen mit geradezu gegensätzlichen Eigenschaften angewandt werden. Es lässt sich jedoch zeigen, dass aufgrund der gegensätzlichen Eigenschaften knapper materieller Ressourcen einerseits, und nicht knapper, generativer Ressourcen andererseits, die institutionelle Gleichbehandlung in Form eines rigiden eigentumsrechtlichen Schutzes auch zu gegensätzlichen sozioökonomischen Ergebnissen führen muss.
[Texte]
Vgl. hierzu u.a.
- Eissler, Stephan (2004d): Eine Kritik der Institution des so genannten "geistigen Eigentums" im digitalen Zeitalter aus Perspektive liberaler Theorien
- Eissler, Stephan (2004a): Das so genannte "geistige Eigentum" im digitalen Zeitalter - eine Kritik aus liberaler Perspektive sowie für den schnellen Einstieg v.a.
- Eissler, Stephan (2005a): Das Eigentumsregime im digitalen Zeitalter - ein Problem? ...oder eher deren zwei?
[II] Vergleich unterschiedlicher Schutzniveaus für geistige Schöpfungen
Sowohl aus der obigen Fragestellung, wie auch aus den Überlegungen zu einer Ressourcentheorie, lassen sich also die besondere sozioökonomische Bedeutung der Frage nach dem optimalen Schutzniveau für "Ergebnisse kreativen geistigen Schaffens" herleiten. Damit spielt der Themenbereich geistiges Eigentum eine zentrale Rolle bei der Entwicklung einer Theorie der Wissensgesellschaft. Dieser Themenbereich umfasst vor allem die Bereiche des
(a) patentrechtlichen...
(b) urheberrechtlichen...
(c) markenrechtlichen...
...Schutzes von Ergebnissen kreativen geistigen Schaffens.
Warum der Themenbereich "geistiges Eigentum" von zentraler Bedeutung für eine Theorie der Wissensgesellschaft ist, wird besonders dann deutlich, wenn man sich mit der Frage auseinandersetzt, welche sozioökonomischen Auswirkungen (i) ein besonders effektiver eigentumsrechtlicher Schutz sowie besonders weit reichende Schutzansprüche bei Ergebnissen kreativen geistigen Schaffens hätte, im Vergleich zu den sozioökonomischen Auswirkungen (ii) eines sehr moderaten Schutzniveaus, wie wir es bspw. aus dem Bereich Freie Software kennen.
Die unterschiedlichen sozioökonomischen Entwicklungen, die diese zwei gegensätzlichen eigentumsrechtlichen Regime zur Folge haben, lassen sich vor allem entlang dreier zentraler Themenbereiche zeigen, die quer zum Themenbereich "geistiges Eigentum" stehen, wobei jedem dieser drei Bereiche eine wichtige Rolle für die jeweils anderen zwei Bereiche zukommt:
- die Produktion, Distribution und Nutzung von Content
- Bildung/ Entwicklung des so genannten "Humankapitals"
*- Innovation und nachhaltige Entwicklung
[Texte]
Zu den Folgen eines rigiden eigentumsrechtlichen Schutzes der Ergebnisse kreativen geistigen Schaffens für Bildung/ Humankapital vgl.
- Eissler, Stephan (2004b): Der Schutz von so genanntem "geistigen Eigentum" und Wirtschaftswachstum.
wissen-schaft::Blog
Die Formel Sapiens
Von Menschen und Neandertalern: Forscher entdecken in den Genen Spuren einer gemeinsamen Vergangenheit. Unterschiede aber zeigen, was unsere Spezies so einzigartig macht.
Island bald Speerspitze im Kampf um Meinungsfreiheit und gegen Zensur und Vertuschung?
Aufdeckung von Skandalen, Kampf gegen Korruption und Organisierte Kriminalität: Mir ihrer "Icelandic Modern Media Initiative" kämpft Brigitta Jonsdottir dafür, dass Island zum Knotenpunkt freier Meinungsäußerung weltweit wird.
Der Stellenwert einer digitalen Auffindbarkeit
Noch immer haben viele Menschen Bedenken davor, sich im Web auffindbar zu machen. Doch je stärker das Social Web in unseren Alltag integriert ist, desto schädlicher kann es für die eigene Karriere sein, im Netz unsichtbar zu bleiben.
Krisenfest mit Schattenwirtschaft – ein humorvoller Jahresendkommentar
Ökonomen haben die faszinierende Fähigkeit, einen äußerst selektiven Blick auf die Welt zu werfen, um daraus dann bisweilen abenteuerlich weitreichende Folgerungen abzuleiten. Ein unterhaltsames Beispiel liefert eine kleine Zahlenspielerei der Deutschen Bank...
Wohlstandsschaffer und Wertvernichter
Für viele dürfte das Ergebnis dieser Britischen Studie nicht wirklich überraschend sein...

